1 2 3 4
zurück

Der Schulteich – eine Oase der Ruhe

Zoom

Nicht nur die Max-Eyth-Schule freut sich über ihre neue Attraktion

Voltaire empfahl schon angesichts welthistorischer Krisen und Katastrophen die Arbeit im Garten als ultimative philosophische Tätigkeit („il faut cultiver notre jardin“); das kann nun an der Max-Eyth-Schule konkret eingeübt werden. Hinter dem Gebäude haben einige SchülerInnen und LehrerInnen unter Anleitung von David Distelmann einen Schulteich von elf Metern Durchmesser angelegt. Der Teich wurde mit Wasserpflanzen bestückt; aus der großen Wasserfläche ragen schon kleine Schilfgras-Pflänzchen und Seerosen hervor. Auch Kaulquappen wurden angesiedelt, einige Frösche wurden nur kurze Zeit gesichtet; sie haben sehr schnell – und ohne Erlaubnis – das Schulgelände verlassen. In dem großen runden Beet, das den Teich umschließt, ist ein buntes Potpourri an Blumen, Zierpflanzen, Stauden und Sträuchern zu bewundern. Die Rhododendren, Lilien und Rosen, die mittlerweile zur Blüte gelangt sind, wurden zum Teil von ehemaligen Kollegen gestiftet. Einzelne große Natursteine, die mit einem kleinen Bagger an ihre Position transportiert wurden und aus der Anlage herausragen, tragen ebenfalls zu dem abwechslungsreichen Ambiente bei. Ein eigens angelegter Kieselweg führt nahe an den Teich; zwei von der Innovativen Produktionsschule gefertigte Bänke laden zum Verweilen und Betrachten des außergewöhnlichen Ortes ein. Wer zeitweise Ruhe und Erholung vom hektischen Schulalltag sucht, findet nun am Teich eine wunderbare Rückzugsmöglichkeit vor. Lateiner würden wohl von „Refugium“ oder gar von einem „Locus amoenus“ sprechen.

Zur Verwirklichung des Teich-Projekts, das schon im Herbst letzten Jahres begonnen wurde, brauchten alle Beteiligten einen langen Atem. Zu Beginn waren unterschiedliche Schülergruppen mit Aushubarbeiten – der Teich ist an seinem tiefsten Punkt in der Mitte 1,25 Meter tief – und dann mit dem Auskleiden der Teichwände betraut; ein Teil des Teichufers wurde mit Natursteinen befestigt; im März drohte sich die Fertigstellung coronabedingt zu verzögern. Doch dann haben in der Zeit des Lockdowns einige Lehrerinnen und Lehrer Hand angelegt, so dass der Hessencampus (das Haus des lebenslangen Lernens, HLL) nun eine neue Attraktion aufweisen kann. Für David Distelmann stellt die Arbeit an dem Großprojekt vor allem auch eine besondere Gemeinschaftserfahrung dar, die keiner der Beteiligten so schnell vergisst. Überdies wurde der Teich zu einem Identifikationspunkt der Schule während der Pandemie-Krise.

Das große Beet, bei dem 12 Kubikmeter Muttererde verwendet wurden, bedarf der konstanten, intensiven Pflege; es gibt also für die Schüler- und Lehrerschaft eine neue dauerhafte Zusatzbeschäftigung (geplant ist überdies die weitere Anlage von Hochbeeten). Die Mühe lohnt sich; denn alle Besucher des neuen Biotops sind hellauf begeistert. Auch die Vögel aus der Breitenseer Nachbarschaft haben den Teich sofort für sich entdeckt; sie nutzen ihn sehr gerne als Tränke und Badegelegenheit. Der Teich ist längst der Szenetreffpunkt, an dem sich Eichhörnchen, Buntspecht und Elster Gute Nacht sagen.

Wenn man nun konkret fragt, was die Beteiligten lernen, so ist nicht nur auf den technischen Umgang mit einem modernen Bewässerungssystem zu verweisen; unlängst war der Einsatz von Pflug und Fräse aus der Nähe zu bestaunen. Die Arbeit in der Natur verweist also auf einen elementaren (letztlich mystischen) Erfahrungsschatz: „Du bist für deine Rose verantwortlich“; man kennt nur, was man/frau zähmt, für das man/frau Zeit aufwendet (vgl. Antoine de Saint-Exupérys Einladung zu mehr Herzlichkeit). Jenseits des zunehmenden Metrifizierungs- und Optimierungsdrucks der Gesellschaft lehrt der Teich das grundlose Sein im Augenblick („Die Ros´ ist ohn´ Warum, / sie blühet, weil sie blühet, / sie acht´ nicht ihrer selbst, / fragt nicht, ob man sie siehet“, Angelus Silesius); schließlich ist nach Hermann Hesse von den Bäumen das große, hingebungsvolle Vertrauen ins Leben zu lernen. So bleibt die Mahnung des französischen Philosophen Paul Virilio, eines Denkers der Stadt, der Geschwindigkeit und der Postmoderne, nicht ungehört: „Wir müssten den Blick ändern, um überleben zu können.“ – Und auch nicht die Verse aus Richard Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“: „Verachtet mir den Meister [die Meisterin Amsel] nicht.“ „Halt, Meister! Nicht so geeilt! / Nicht jeder eure Meinung teilt.“ „Was duftet doch der Flieder, / so mild, so stark und voll! / Mir löst er weich die Glieder …“

zurück

Ihre Meinung zählt

Ihre Zufriedenheit ist uns wichtig – geben Sie uns ein Feedback!

Nutzen Sie unser Feedback-Formular, um uns Verbesserungsvorschläge für unsere Arbeit oder positive Rückmeldungen zu geben.

Links:
Feedback-Formular

Anmeldeformulare Informationsmaterial FOS Praktikum

Formulare, Broschüren und Dokumente zum FOS Praktikum befinden sich im Downloadbreich.

Links:
Downloadbereich

MES und Moodle

Moodle-Seite der MES